Swisscable und auch viele Kabelanbieter argumentieren immer, dass die Motion Sommaruga ihnen schaden würde. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Ich denke, dass die Motion der Cablecom mittelfristig einen enormen Wettbewerbsvorteil bringen wird.
Wir erinnern uns, als das digitale Grundangebot noch 20 Franken gekostet hat. Viele Konsumenten waren nicht bereit, diesen Preis zu zahlen. Damit hat sich Cablecom enorm viel verspielt. Kunden wechselten auf Satellit, später zu Bluewin TV. Kleine Kabelnetze haben der Cablecom Kunden abgejagt. Allerdings freut mich dies überhaupt nicht. Diese Unternehmen denken enorm kurzfristig, da sie mit ihren 60 analogen Kanälen eines Tages auf die Nase fallen werden und die Digitalisierung indirekt verhindern. Noch heute halten Anbieter wie Antesa mehr von Call-Ins als guten Dokumentationen oder anderen sinnvollen Kanälen.
Der Preisüberwacher zwang die Cablecom dann, die normale Box für 6 Franken pro Monat zu vermieten. Die Folge war eine explodierende Nachfrage für digitales Fernsehen. Einige Kunden haben auch Zusatzpakete abonniert. Unter dem Strich hat Cablecom vom Zwang durch Strahm sicher profitiert.
Ich sehe es bei vielen Kunden. Sie schätzen die Vorteile vom digitalen Fernsehen, insbesondere die Programmauswahl und die Bildqualität. Praktisch alle Kunden nerven sich aber über die weitere Fernbedienung und das zusätzliche Kästchen.
Bei Bluewin-TV ist die Box vorerst zwingend nötig. Bis Fernseher mit eingebautem DVB-IP Tuner auf den Markt kommen, dauert es noch sehr lange. Fernseher mit eingebautem Kabeltuner gibt es aber schon, ich habe sogar einen im Wohnzimmer stehen.
Bekanntlich kann ich damit nur den infochannel sehen und auf Dinosaurier und Drachen habe ich eigentlich keine Lust.
Wäre das Grundangebot uncodiert, können all diese Konsumenten auf einen Schlag die digitalen Kanäle empfangen. Man hat seinen WDR wieder und kriegt zusätzlich viele Sender, die man früher nie sehen konnte. Somit merkt der Kunde eigentlich gar nicht, dass er jetzt das digitale Angebot nutzt. Wer einen neuen TV kauft, der einen HD-Tuner eingebaut hat, bekommt auch noch HD Suisse. Ich denke kein Kunde hätte etwas dagegen, auf seinem neuen Gerät auch gleich richtige HD-Programme sehen zu können.
Für die Hersteller gibt es schlicht keinen Aufwand, da DVB-C eben DVB-C ist. Würde man CAM-Module verwenden, wäre allenfalls eine Anpassung der Firmware nötig. Diese dürfte aber marginal sein und ich denke, die Hersteller würden dies auch machen. Schliesslich wäre es ein Vorteil gegenüber Geräten ohne DVB-C Tuner.
Die Cablecom bekommt somit neue DTV Kunden. Zum einen schreien diese dann nicht mehr über analoge Abschaltungen, zum anderen könnte man denen auch Pay-TV Pakete verkaufen.
Die interaktiven Dienste sind schön, doch ich glaube gerade die Schweiz ist noch nicht bereit dafür. Wenn es, wie Fischer so schön sagt, in ein paar Jahren einen offenen Standard gibt, ist dieser im neuen Fernseher integriert. Dann sind die Kunden auch bereit, Geld für solche Dienste auszugeben. Mit der nächsten Generation wird dann tru2way, oder wie die Technologie dann auch immer heissen mag, implementiert sein.
Aufzwingen kann man dem Kunden diese, und mögen sie noch so schön sein, Dienste nicht. Gerade in der Schweiz muss man langsam vorgehen. Da ist eine rasche und umkomplizierte Migration von analog zu digital der erste Schritt.
Wie auch mein Namensvetter es mehrmals erwähnt hat – Wird die Motion Sommaruga angenommen, kann die Cableocm auch weiter Pay-TV Pakete oder gar CatchUp-TV anbieten. Der Kunde entscheidet dann ob er vorerst nur mehr Sender in besserer Qualität oder ein neues Chästli, dass ihm die Tagesschau zu jeder beliebigen Zeit zeigt, will.
Wird die Motion abgelehnt, wird Cablecom ihre Politik fortsetzen. Die Kunden sind weiterhin verärgert über die Box und schreien den analogen Kanälen nach. Die Schweiz wird auch weiterhin ein digitales Entwicklungsland bleiben. Daran kann niemand ein Interesse habe.
Von der Motion profitieren alle, die Cablecom, die Konsumenten, die Gerätehersteller. In meinen Augen wäre Bluewin der einzige Verlierer. Bluewin kann zwar ihr Modell weiter betreiben, doch die Einfachheit vom DVB-C Geräten wird Cablecom unzählige Kunden bringen.
Vielleicht sollte Cablecom mehr darauf hören was die Konsumenten hören und ein bisschen weniger auf die blinden Investoren im den USA. Ich weiss, das ist leichter gesagt als getan…
Hallo Chris!
Sehr schöner Artikel! Ich kann da nur zustimmen. Leider müsste man die Cablecom zu ihrem Glück zwingen 🙂
M
F
G
Sopur
PS: Im fünften Abschnitt sagst Du, dass es schon TVs mit eingebautem Kabeltuner gibt – ich wüsste keinen, welcher dies nicht hat (dann wäre es m.M. ein Monitor) 😉
Ich meine natürlich digitale Kabeltuner 🙂
Hehe – schon klar 😉
M
F
G
Sopur
Guter Beitrag. Ich versteh überhaupt nicht, warum die Cablecom meine, eine Maximierung der Firmenumsatz mit der maximalen Erpressung von möglichst viel Gelder aus jedem Kunden gleichgestellt sei. Hat die Leitung Cablecoms ihre Führungsqualifikationen vom Streikholzkasten bestellt?
Allein gelassen, jagt der Kundendienst der Cablecom die Kunden selber ab. Ich habe eine Halbpreisaktion von der Cablecom für Digital-TV bestellt, was sie nicht honorieren wollten. Habe alles ordentlich beanstandet, Ombudscom, direkt, aber die Cablecom (selbst Frank Zelger, VP Kundendienst) bricht immer die Kommunikation ab, wollen jedoch nicht begründen, warum sie mich zu viel verrechnen. Rechtlich sind ihre Taten nicht zu vetreten.
Jetzt vesuchen sie Rufmord: sie haben sie eine Inkasso-Firma grundlos eingeweiht. Reine Erpressung und Einschüchterung, Lumpentaktiken. Die Monopol-Konzession der Cablecom soll weggenommen werden.